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wasistlos badfüssing magazin Februar 2017

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KULTURELLE SCHÄTZE DER

KULTURELLE SCHÄTZE DER REGION AUF DEN SPUREN VON JOHANN BAPTIST MODLER - EINEM MEISTER DES BAYERISCHEN ROKOKO Dr. Wilfried Hartleb, Kreisheimatpfleger und ehemaliger Leiter des Kulturreferats im Landkreis Passau, nimmt Sie mit auf eine kultur-historische Reise - Entdecken Sie geschichtlich bedeutsame Kulturgüter im Passauer Land! Stuckaturen im Grafenzimmer, Benediktinerkloster Asbach Kultur- und Kunstlandschaft zwischen Donau und Inn In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich Bayern zu einer Kulturlandschaft ganz eigener Art. In den Kirchen jener Zeit, den sog. „Bauernschlössern“, spiegelte sich die tief im Volk verwurzelte Frömmigkeit. Die Baumeister in den Jahren 1720 bis 1760 entwickelten eine Architektur, deren Formenreichtum einzigartig war. So entstanden Kirchen, die die Freude am religiösen Erleben, an der Schönheit als Ausdruck des Göttlichen zum Ausdruck bringen. Mit allen zu Gebote stehenden künstlerischen Mitteln zauberte man den Himmel auf Erden. Die süddeutsche Kirchenkunst des Rokoko in seinem heiteren, farbenprächtigen Stil beruhte auf einer Verschmelzung lokaler Traditionen mit internationalen Strömungen, die das Entstehen großer Klosterkirchen (Aldersbach, Fürstenzell) möglich machten. In dieser Epoche flossen im Dienste der Religion Malerei, Skulptur und Architektur zu einem Gesamtkunstwerk zusammen. Stuckateure sind seit der Renaissance wichtige Gestalter von kirchlichen, aber auch repräsentativen weltlichen Innenräumen. Besonders in der Zeit des Rokoko gelingt eine einmalige Verschmelzung von Wand- und Deckenfresken mit Stuck und Architektur. Der Stuckateur Johann Baptist Modler aus Kösslarn Der Stuckateur Johann Baptist Modler gehört zu den bedeutenden Künstlern, die ihren Beitrag geleistet haben, dass der heutige Besucher im ostbayerischen Raum zwischen Donau und Inn bedeutende Klosterkirchen, Wallfahrtskirchen und andere Bauwerke bewundern kann. Modler hat mit seinen schwungvollen und verspielten Dekorationselementen aus Stuck neben vielen Klosterkirchen im Rottal (Aldersbach, Fürstenzell, Asbach, Reichersberg, Suben), auch die neue Residenz des Passauer Fürstbischofs ausgeschmückt. Aufträge führten Modler aber auch nach Regensburg (Dominikanerkirche Heilig Kreuz), Linz (Oberösterreich), Frauenau, Rinchnach, Untergriesbach (Bayerischer Wald) und Kleeberg, Kirchham, Reutern, Rotthalmünster, Rottersham, Rotthof, Ruhstorf, Schwaibach (Rottal). Vier Söhne unterstützten den Vater bei der Arbeit: Kaspar, Melchior, Balthasar und Josef Narziß. Johann Baptist Modler wurde am 30. Mai 1697 in Hohenfels in der Oberpfalz geboren. Der jüngste Sohn eines Tuchmachers lernte das Handwerk des Vaters und ging dann auf Wanderschaft. Dabei kam er nach Obernberg am Inn und heiratete 1729 die Tochter seines Meisters. Dort schmückte er sein Wohnhaus, das Haus der Schiffsmeister und die Apotheke mit reichen Stuckaturen. 1736 zog die Modlerfamilie nach Kößlarn, wo Modler seine eigene Werkstatt gründete. Seine Frau, die ihm elf Kinder gebar, betrieb dort eine Kramerei. 1774 starb Johann Baptist Modler in Kößlarn. Fensterumrahmungen an der Fassade des Ostflügels im Innenhof. Benediktinerkloster Asbach Büste der vier Jahreszeiten: Winter, dargestellt als hagerer alter Mann, dessen Bart in Eiszapfen übergeht. Selbstportrait Johann Baptist Modlers im Treppenhaus der Neuen Residenz des Passauer Fürstbischofs Leopold Ernst von Firmian (1763-1783) 44

Kulturelle KULTURELLE Schätze SCHÄTZE DER REGION der Region Was ist Stuck? Stuck (von ital. Stucco) bezeichnet nicht nur den Mörtel, sondern auch das, was aus der Gipsmischung gemacht wird nämlich die plastische Ausformung von Fassaden, Wänden, Gewölben und Decken. Mittels spezieller Schablonen aus Holz oder Blech werden plastische Schmuckelemente wie z.B. Bänder oder Pilaster abgezogen. Die Ausarbeitung erfordert große Kunstfertigkeit, in einem raschen Arbeitsgang wird die noch weiche Stuckmasse bearbeitet. Ein Stuckateur konnte so Ornamente oder ganze Landschaften frei modellieren. Des Weiteren schafft der Stuckateur plastische Figuren, wobei in der Werkstatt Negativformen aus Ton, Leim oder Gips hergestellt werden. Die Einzelteile ( Köpfe, Masken, Blumen) werden mit Schrauben oder Dübeln in die Wand- oder Deckenflächen versetzt. Figuren, die aus der Wand hervortreten, haben in ihrem Innersten ein stabiles Gerüst aus Draht, Eisenstäben oder Holzlatten, das mit Stroh umwunden und schließlich mit mehreren Schichten Stuck umkleidet wurde. Die farbige Gestaltung übernahmen die Fassmaler, die den Stuckaturen durch farbigen Anstrich in Absprache mit dem Auftraggeber ihr endgültiges Aussehen verliehen. Häufig wurde auch Stuckmarmor (scagliola) zur Gestaltung eingesetzt. Stuckmarmor ist ein Innenputz aus verschieden gefärbten Gipsen, der auf den Untergrund (Mauerwerk oder Holz) aufgetragen und dann poliert wurde. Stuckmörtel wird gewonnen durch Vermengen von Sand, Wasser und Bindemittel wie Sumpfkalk, Weißkalk und Gips und weitere Zusätze wie Glutinleim, um die Viskosität des Mörtels oder das Abbindeverhalten zu beeinflussen. Da der Stuckmörtel schnell hart wird, muss der Stuckateur schnell arbeiten. Doch kann das Hartwerden und die Geschmeidigkeit des Mörtels mit Zusatzstoffen beeinflusst werden. Dazu schüttete der Stuckateur Milch, Bier und auch Wein in den Stuckmörtel. Nach dieser Überblicksdarstellung werden in den folgenden Heften die einzelnen Werke näher vorgestellt und erklärt. Dazu werden Führungen angeboten. Musikinstrumente, Westwand über der Orgeltribühne, Benediktinerkloster Vornbach „Johann Baptist Modler Stuckhatoer in Koeßlarn“. Künstlersignatur in der Stiftskirche der Augustinerchorherren in Suben Treppenhaus der Neuen Residenz in Passau 45

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